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Wie eine Reise

Auf den ersten Blick begegnen Annette Lehrmanns Bilder dem Auge mit einer gewissen Wucht. Brachiale Pinselbahnen & kraftvolle Farbflächen lassen einen zurücktreten, um den richtigen Abstand zum Bild, vielleicht den erforderlichen Überblick zu gewinnen.

Dann geben sich unter den offensiv gesetzten Farbflächen allmählich Strukturen zu erkennen, aufgespachtelte Massen, Risse, Kerben; langgezogene Schlieren zwischen grüblerischen Furchen. Kritzeleien blitzen auf, und in den Kritzeleien halbe Figuren – bevor sich darunter plötzlich eine weitere Ebene öffnet.

Inzwischen ist man längst wieder an das Bild herangetreten, man bewegt sich vor und zurück, reist gleichzeitig vorwärts und rückwärts durch den Entstehungsprozess, quer durch unzählige Schichten. Manche sind licht und luftig, manche massiv und pastos. Stellenweise sind die Anfänge noch zu erahnen, eine Schüttung, ein paar schwarze Pinselhiebe. Unbedarfte Anfänge, in denen eine Absicht entstehen und sich entfalten kann. Doch anstatt sich zwanghaft festzuschreiben, wird das Bild selbst zur Idee, schafft sich selbst den Raum, den es später einnimmt. Vielleicht weil es kontinuierlich Änderungen unterworfen war, wird man auch als Betrachter nie wirklich mit Anschauen fertig.

Ein Bild von Annette Lehrmann ist eine Geschichte, die sich immer wieder selbst erzählt, neue Facetten gewinnt,
ungeahnte Kapitel aufschlägt.

Wie eine Reise, die für jeden zu einem anderen Ort führt.

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Beispiele für meine Arbeitsweise

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